Fernglas
Vorab: Dieser Ratgeber ist eher für AnfängerInnen gedacht. Erfahrene Vogelbeobachter werden hier nicht viel Neues finden.
Wer sich wildlebende Vögel näher ansehen will, kommt nicht daran vorbei, sich ein gutes Fernglas zuzulegen. Es sind allerdings nicht alle Typen zum Beobachten von Vögeln geeignet. Es werden nur Binokulare, also Ferngläser, bei den sie mit beiden Augen gleichzeitig durchschauen können, empfohlen.
Vergrößerung
Für einen Ungeübten ist es oft ein Problem, einen Vogel durch ein Fernglas zu finden. Das liegt daran, dass das Blickfeld beim Durchblick plötzlich stark verkleinert ist. Vom Busch in dem der Vogel sitzt, sieht man nur noch einzelne Äste und findet den Vogel kaum mehr. Je stärker das Fernglas vergrößert, umso kleiner ist der Blickwinkel und umso mühsamer wird es, den Vogel zu finden. Das Zittern der Hände beim Halten des Fernglases macht die Sache noch schwieriger.
Für viele Anfänger, aber auch Fortgeschrittene, hat sich eine Optik mit 7 bis 8-facher Vergrößerung bewährt. Nur Geübte finden auch mit einer 10-fachen Vergrößerung zielsicher ein Objekt. Höhere Vergrößerungen werden für Vogelbeobachtungen ohne Stativ nicht empfohlen.
Klares Bild
Wenn man den Vogel endlich im Blickfeld hat, muss man schnell scharfstellen können. Auch bei schwachem Licht sollte das Bild hell und klar sein, damit man die Merkmale des oft unruhigen Vogels deutlich sehen kann. Das Rad zum Scharfstellen sollte fein einstellbar sein. Die Öffnung des Fernglases muss groß genug sein, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein genügend helles Bild zu erzeugen.
Spezifikationen
Die richtige Vergrößerung und eine große Öffnung sind also ausschlaggebend für ein gutes Fernglas. Im Handel findet man immer die Angabe "Vergrößerung X Öffnung". Ein Fernglas mit 8x40 hat also ein Verhältnis von 8-facher Vergrößerung zu einem Durchmesser von 40 Millimeter bei den großen Linsen. Wegen ihres geringen Gewichtes und weil sie gut zu verstauen sind, wird oft der Kauf von Kleinferngläsern mit 8x21, 10x21 oder 10x25 ins Auge gefasst. Hohe Vergrößerungen bei gleichzeitig kleiner Öffnung sind aber für Vogelbeobachtungen nicht zu empfehlen. Geeignete Modelle haben ein Verhältnis von 7x42, 8x32, 8x40 oder 10x42.
Als Brillenträger sollten Sie unbedingt die Funktionalität der Augenmuscheln überprüfen.
Gewicht
Ein häufig unterschätztes Merkmal ist das Gewicht des Fernglases. Schwerere liegen etwas besser in der Hand und dämmen das Zittern beim Beobachten ein. Bei langem Schauen führen schwergewichtige Gläser allerdings rasch zur Ermüdung. Wer auch bei längeren Wanderungen das Fernglas am Hals hängend tragen möchte, wird froh sein, wenn es nicht so schwer ist. Was als schwer empfunden wird, ist allerdings individuell. Trotzdem kann man sagen, dass zwischen sonst gleichwertigen Ferngläsern das leichtere den Vorzug verdient.
Preis
Wer billigt kauft, kauft meistens teuer! Lassen Sie die Hände von sehr billigen Ferngläsern. Sie haben häufig nach einiger Zeit einen Farbfehler (Gelbstich) oder zeigen farbige Säume am Beobachtungsobjekt. Außerdem kann man mit ihnen meist nie richtig scharf stellen und das Vergnügen mit dem günstig erworbenen Fernglas nimmt ein frühes Ende. Geben Sie für ein Fernglas gleich so viel aus wie Sie sich irgendwie leisten können. Ein gutes Fernglas schont auch Ihre Augen. Das Fernglas ist das wichtigste Instrument bei der Vogelbeobachtung und ist im Normalfall einige Jahrzehnte in Verwendung!
Der gute Rat
Holen Sie sich nur bei versierten Vogelbeobachtern Rat. Jäger, Wanderer, Bergsteiger oder Bootfahrer haben andere Bedürfnisse. (Klein)vögel beobachten ist nicht dasselbe wie Beobachtung von viel größeren Vierbeinern oder ganzen Bergteilen. Marine Ferngläser haben oft eine hohe Vergrößerung und eine enorme Öffnung, sind aber viel zu schwer, um sie den ganzen Tag herumtragen zu können.
Kaufen sie sich lieber kein Zoom-Fernglas. Ferngläser mit fester Vergrößerung haben sich besser bewährt.
Kaufen Sie sich kein Fernglas, ohne vorher selber durchgeschaut zu haben. Nahe und ferne Objekte müssen klar und scharf sein, die beweglichen Teile wie die Schärfeeinstellung geschmeidig laufen. Wenn Sie übers Internet kaufen, vergewissern Sie sich, eine Rückgabegarantie zu haben.
Das erste Mal
Machen Sie sich vor dem ersten Beobachtungsgang mit dem Fernglas vertraut. Um Unterschiede der Augen auszugleichen, lässt sich immer ein Okular verstellen. Wie ist der beste Augenabstand? Wo ist das Scharfstellrad? Wie werden die Augenmuscheln verstellt? Ist der Trageriemen wirklich gut am Fernglas festgemacht? Sie wären nicht der erste, dem das neue Fernglas herunterfällt und die Optik beschädigt wird, weil sich der Riemen mit der Zeit unbemerkt gelöst hat.
