Dohle

© G. Kilzer

Vogel des Jahres 2012

Status: Jahresvogel, regelmäßig brütend, sehr lokal verbreitet und selten.

Verbreitung: Die Dohle kommt in Vorarlberg nur in wenigen kleinen Kolonien bzw. in Einzelpaaren vor. Im Kartierungszeitraum 2001-2008 waren höchstens vier Brutplätze besetzt und zwar in Götzis die Burgruine Neumontfort, die Burgruine Tosters, die Burgruine Jagdberg in Schlins und ein unbekannter Nistplatz in Schnepfau im Bregenzerwald.

Lebensraum: Dohlen bewohnen die offene Landschaft mit niederwüchsigen Wiesen und Äckern, sofern sie dort in der Nähe auch passende Nistplätze finden. Sie brüten im Gegensatz zu anderen Rabenvögeln meist in Kolonien und bevorzugen zum Nisten höhere alte Bauten wie Burgruinen und Schlösser, historische Gebäude oder Industrieanlagen, in denen sie möglichst mehrere geräumige Nischen oder Höhlen beziehen können. Auch an Felsen mit geeigneten Spalten wird gebrütet. Bruten in Baumhöhlen sind in Vorarlberg nicht bekannt.

Sie ernährt sich von größeren Insekten wie Käfern und Heuschrecken, von Spinnen, Tausendfüßern, Schnecken, Würmern und anderen Kleintieren, auch Kleinsäugern. Im Herbst und Winter besteht die Nahrung hauptsächlich aus Körnern und anderen Sämereien, Gemüseabfällen und verschiedensten Früchten. Nach der Brutzeit halten sich Mausertrupps ständig abseits der Brutplätze an guten Nahrungsquellen wie Müllhalden auf.

Bestandsentwicklung: Die Dohle war in Vorarlberg wegen der verhältnismäßig großen Niederschlagsmengen wohl nie häufig. Die Einstellung des Getreideanbaus begrenzt den Bestand zusätzlich. Die Burgruinen im Rheintal und Walgau dürften jedoch schon seit Jahrhunderten besetzt gewesen sein, so zum Beispiel brüteten  an den Burgruinen in Neumontfort in Götzis und in Tosters in den 1980er Jahren noch je rund 20 Paaren. 2002 wurde eine Kolonie von sieben Brutpaaren an der Burgruine Jagdberg in Schlins entdeckt, die sich durch die Schlägerung von Bäumen und Beleuchtung wieder verkleinert hat. Auch an der Burgruine von Tosters brüten aktuell nur noch 3-4 Brutpaare (G. Willi, H. Kilzer) und wenige Paare in Neumontfort. Zur Zeit des Herbst- und Frühjahrszuges rasten manchmal größere Trupps in den Rieden des Rheintals.

Gefährdung und Schutz: Die Dohle ist nach der Vogelschutz-Richtlinie der EU nicht jagdbar. Renovierungsarbeiten an alten Gebäuden und Burgruinen vertreiben sie jedoch von ihren traditionellen Brutplätzen. Im Zuge solcher Projekte wird meist auch alter Baumbestand nahe der Mauern gefällt und Breitstrahler zur nächtlichen Beleuchtung von Wänden installiert. Damit werden Dohlen von traditionellen Brutplätzen vertrieben wie die Beispiele der Ruinen Neumontfort in Götzis und Jagdberg in Schlins gezeigt haben.