Graureiher

© F. Sigg

Status: Jahresvogel, spärlich aber regelmäßig brütend, lokal verbreitet.

Verbreitung: Brutkolonien konnten in den letzten 10 Jahren nur vereinzelt im Rheintal, Walgau und Montafon nachgewiesen werden. Nahrungsuchende Graureiher werden allerdings nicht nur an fischreichen Gewässern in den Tallagen, sondern auch an Seen im Hochgebirge angetroffen. Die ausgedehnten Nahrungsflüge täuschen eine große Brutverbreitung vor.

Lebensraum: Der Graureiher bevorzugt als Lebensraum die größeren, teils mit Auwald bestandenen Flusstäler. Sowohl ausgedehntes Grünland mit Wiesen und Viehweiden sowie Äcker zum Fang von Kleinsäugern, als auch fischreiche Gewässer mit flachen Ufern erfüllen seine Ansprüche. Die Nahrungsaufnahme findet in der Regel nur frühmorgens und abends statt. Seine Tagesruheplätze befinden sich auf Bäumen oder Baumgruppen in möglichst störungsarmer Landschaft. Die Horste der Koloniebrüter werden auf hohen älteren Laub- oder Nadelbäumen an Waldrändern oder in Feldgehölzen, in der Nähe größerer Gewässer errichtet. Die Horstbäume einer Kolonie stehen meist in enger Nachbarschaft. In starken Baumkronen befinden sich manchmal mehrere Horste.

Bestandsentwicklung in Vorarlberg: Nach dem Inkrafttreten einer ersten befristeten Schonzeitverordnung 1984 bildete sich in unmittelbarer Nähe von Baggerseen im Walgau 1985 erstmals eine Brutkolonie zunächst mit 7 und schließlich 21 Horsten im Jahr 1993. Ebenso bestand im Bregenzerwald ab 1987 eine Kolonie mit bis zu 12 Horsten und ab 1994 eine im Montafon mit bis zu 7 Horsten. Alle drei Brutkolonien sind allerdings noch in den 1990er Jahren wieder zerstört worden. Mit kurzen Unterbrechungen gelang es der Art jedoch weiterhin an wechselnden Plätzen in Vorarlberg zu brüten.

In der Vandanser Brutkolonie, die sich ab 2000 an einem neuen Standort bildete und aus 4-5 Horsten bestand, wurde aus unbekannten Gründen 2007 letztmals gebrütet. Ab 2001 etablierte sich im Südosten von Wolfurt eine Brutkolonie, die ab 2003 aus durchschnittlich 6 Horsten bestand. Gleichzeitig entwickelte sich 2004 im Gebiet Montjola bei Thüringen eine Kleinkolonie mit wenigen Horsten.

Gefährdung und Schutz: Der Graureiher ernährt sich nicht nur von Fischen, sonder auch von Mäusen, Amphibien und anderen Kleintieren. Trotzdem ist er seit jeher der Verfolgung durch Fischer und Jäger ausgesetzt. Seine Fluchtdistanz zu Menschen ist daher entsprechend groß. Gezielte Störungen bringen Brutkolonien leicht zum Erlöschen. Nach EU-Recht darf der Graureiher nicht gejagt werden. Mit Ausnahmegenehmigungen nach § 9 der EU-Vogelschutzrichtlinie, wurde unter dem Vorwand, dass es keine andere zufrieden stellende Lösung von angeblichen Schäden an Fischbeständen gibt, von den Bezirksbehörden der Abschuss von Oktober bis Mitte Februar bewilligt. Den Anträgen dazu fehlt jedoch bisher ein wissenschaftlicher Beleg für erhebliche Schäden.

R. Kilzer